Und um es gleich vorweg zu sagen: das Buch lässt sich über weite Strecken gut lesen, es ist klar und verständlich und vor allem scheuen sich die Autoren nicht, klare Antworten auf klare Fragen zu geben.Das Buch zeichnet sich in seinen Darstellungen durch seine praktischen Beispiele und seine klare Sprache aus. Die Autoren Patrick Bühlmann, Patrick Bürgi, Claude Lengyel, Matthias Lüthi, Peter Mösch und Silvio Stierli sind allesamt Juristen und größtenteils als Rechtsanwälte tätig. Sie haben ihr Handbuch in acht überschaubare Kapitel gegliedert:
Kapitel 1: Treff, Lager und Reisen
Kapitel 2: Veranstaltungen
Kapitel 3: Internet und Datenschutz
Kapitel 4: Rechte und Pflichten von Kindern und Jugendlichen
Kapitel 5: Strafrecht
Kapitel 6: Arbeit und Arbeitslosigkeit
Kapitel 7: Ausländer- und Asylrecht
Kapitel 8: Dienstpflicht
Bereits die Überschriften signalisieren, dass sich vornehmlich die ersten beiden Kapitel mit den "alltäglichen" rechtlichen Fragen der Jugendarbeit beschäftigen, während die Kapitel 3 bis 8 Hintergrundinformationen liefern, rechtliche Probleme einzuordnen helfen und spezielle Themen vertiefen.
Für Leser/innen aus dem deutschen und österreichischen Raum wird die Lektüre schnell von der Hand gehen. Viele Rechtsgrundlagen der Jugendarbeit sind nämlich in allen Ländern gleich ausgestaltet, auch wenn das Vokabular ein anderes ist. Sprechen die Deutschen beim Vertragsabschluss von Angebot und Annahme, so nennen es die Schweizer Offerte und Akzept. Inhaltlich ist es das Gleiche. Ebenso sind die Regelungen des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) nicht einheitlich im Schweizer Zivilgesetzbuch (ZGB), sondern auch im Obligationenrecht (OR) wiederzufinden. Das Buch weist aber direkt zu Beginn darauf hin, dass diese Rechtsquellen leicht online recherchiert werden können.
Einen besonderen Augenmerk sollte der deutsche und österreichische Leser dem Kapitel "Der Reisevertrag" widmen. Denn anders als in den Mitgliedsstaaten der EU unterstehen Ferienfahrten der Jugendorganisationen in der Schweiz nicht dem Bundesgesetz über Pauschalreisen (SR 944.3). Somit fallen insbesondere die umfassenden Informationspflichten, sowie Spezialregelungen zum Widerrufsrecht und zur Kündigung (EU) bzw. zur Annulation (CH) gegenüber den Teilnehmern weg.
Um Veranstaltungen möglichst ordnungsgemäß durchzuführen, hat das Handbuch eine fünfseitige Tabelle aufgenommen, die auf die wichtigsten Fragen die Antworten passend für alle Schweizer Kantone zusammengestellt hat. Ob die Abgabe von Speisen erlaubt ist und wer eine Tanzveranstaltung im Jugendhaus genehmigen muss, ist neben vielen anderen Punkten hieraus schnell ersichtlich.
Die Investition in das 160seitige Handbuch wird sich für Jugendarbeitende, Mütter und Väter, Lehrerinnen und Lehrer mit Sicherheit lohnen.